Bericht einer Mutter und Kajak-Anfängerin zur Jugendfreizeit am Vatertags-Wochenende 2005
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Eigentlich war ich lediglich in meiner Eigenschaft als Gérards Mutter
zur Fahrten-Besprechung am Dienstag anwesend. Am Ende dieser Besprechung stand
ich mit auf der Teilnehmerliste. Ausgerechnet ich, die ich bis dahin grad
2 Mal in einem Kajak gesessen hatte. Doch Björn zeigte sich sehr zuversichtlich,
dass sogar ich das bewältigen könnte. Ich war da eher skeptisch.
Na ja, immerhin hatte ich endlich einen Grund, das vor 2 oder 3 Jahren angeschaffte
und noch nie ausgepackte Zelt aus dem Keller zu kramen. Wobei sich dann auch
gleich die nächste Frage stellte: „Krieg ich das Teil überhaupt
aufgebaut, ohne mich dabei allzu dusselig anzustellen oder gar zu blamieren?“
Schließlich hatte ich so etwas noch nie allein gemacht. Und überhaupt
waren meine wenigen bis dahin erlebten Camping-Abenteuer mit eher unschönen
Erinnerungen verbunden.
Bevor es am Donnerstag losgehen konnte, gab es also noch einiges zu tun und
zu bedenken. Den Gedanken an eine Zeltaufbau-Trockenübung verwarf ich
aus Zeitmangel. Musste ich doch für 2 (in Worten: zwei!) Leute die Klamotten
packen und irgendwie deren Transport in die Ludolfstraße organisieren!
Ich hab ja schon Probleme damit, an einem ganz gewöhnlich chaotischen
Tag an alle Dinge zu denken, die morgens eingepackt werden müssen. Da
ich nur die allernotwendigsten Dinge für das Wochenende einpacken wollte,
war ich einige Stunden damit beschäftigt, Sachen ein- und wieder auszupacken.
Brauchen wir eher Sonnencreme oder doch besser einen guten Mückenschutz?
Dicke Jacken oder nicht? Oh Mann, was für ein Stress für die paar
Tage! Was hatte ich mir da angetan? Da ich ja auch noch leichtsinnig eine
Schüssel selbstgemachten Kartoffelsalat für den ersten Abend in
Aussicht gestellt hatte, stand ich also am Donnerstag schon ganz früh
in der Küche. Schließlich wollten wir uns um 9.00 Uhr treffen und
hatten 10.00 Uhr für die Abfahrt angepeilt, was wir dann auch fast schafften.
Von den ursprünglich eingeplanten 9 Leuten kamen nur noch 7 mit: Björn,
Hendrik, Tristan, Gérard, Jörg, Charlotte und ich. Auf dem Hänger
hatten wir insgesamt 7 Boote – 6 Kajaks und Jörgs schönen
Kanadier.
Der Himmel verhieß eigentlich nichts Gutes, es war recht frisch und
bewölkt, doch unsere gute Stimmung konnte davon nicht getrübt werden.
In Woosten wurden wir von Volker und Monika herzlichst empfangen. Wir durften
auf ihrem am See gelegenen Grundstück die Zelte aufschlagen. Außerdem
wurde uns eine kleine Hütte als Aufenthaltsraum zur Verfügung gestellt.
Die „sanitären Anlagen“ waren so geregelt, dass die „Jungs“
an die Hecke und die „Mädels“ ins Haus auf die Toilette gehen
konnten.
Zuerst wurden die Zelte aufgebaut. Dabei stellte ich mich dann doch nicht
ganz so ungeschickt an wie befürchtet. Mit Björns geduldiger Anleitung
und tatkräftiger Hilfe stand auch mein Zelt rechtzeitig genug, dass noch
Zeit zum Paddeln blieb. Also ab zum See und erst mal eine kleine Runde drehen,
die Gegend erkunden. Björn und Jörg im Kanadier, der Rest der Truppe
in Kajaks. Wir suchten die Verbindung vom Woostener See zum Goldberger See.
Die lag aber so versteckt, dass wir glatt daran vorbei paddelten. Also machten
wir uns auf den Weg zum kleinen Medower See. Von dort sollte es weiter gehen
zum Großen Medower See. Die kleine Einfahrt zur Verbindung sah ziemlich
wild aus. Während wir in den Kajaks auf dem See warteten, erkundeten
Björn und Jörg den Weg. Erst nach einer ganzen Weile kehrten sie
zurück; allerdings zu Fuß. Sie dirigierten uns durch den kleinen
Kanal, bis ein in das Wasser gestürzter Steg uns an der Weiterfahrt hinderte.
Also raus aus den Booten und an Land, einen Spaziergang gemacht, um einen
Blick auf den Großen Medower See zu erhaschen, Matsch-Schuhe und nasse
Füße inbegriffen.
Abends wurde gemütlich gegrillt. Björn spielte auf der Gitarre und
sang dazu. Jörg zeigte Gérard, wie er sich die Zeit damit vertreiben
kann, seine nasse Kleidung über dem Feuer zu trocknen. Doch der hatte
kein Interesse daran, so lange still auf einem Flecken zu sitzen. Also landeten
die Klamotten auf einer Wäscheleine, wo sie dann bis Sonntag hängen
blieben, weil sie bei jedem neuen Regenschauer wieder nass wurden.
Die erste Nacht im Zelt überstand ich zwar ohne Rückenschmerzen,
aber ich wachte durchgefroren auf. Nach dem Frühstück und diversen
Bechern Kaffee fuhren wir in einen Supermarkt und füllten unsere Vorräte
auf. Nachmittags ging es dann ab zum See, noch ein Mal nach der Verbindung
zum Goldberger See suchen. Diesmal fuhren Charlotte und Jörg im Kanadier.
Björn nahm sein Kajak.
Kaum waren wir alle auf dem See, fing es an, wie aus Eimern zu schütten.
Mir als Neuling war bei dem Seegang schon ein wenig mulmig zumute. Wir waren
eine ganze Weile nur damit beschäftigt, die Boote vom Ufer bzw. Schilf
fern zu halten. Das kleine Unwetter hörte genauso plötzlich auf
wie es angefangen hatte und wir konnten endlich weiter, waren zum Teil patschnass.
Aber irgendwie schien das niemanden sonderlich zu stören. Diesmal fanden
wir sogar den Weg zum Goldberger See. Es gibt eine kleine versteckte Einfahrt
in den schmalen Kanal. Man erkennt sie nur, wenn man ziemlich dicht dran ist.
Dann waren wir endlich auf dem Goldberger See. Von dort ging es durch die
Mildenitz Richtung Dobbertiner See.
Ich dachte bis dahin, mich kann nichts mehr aus dem Ruder werfen. Doch leider
musste ich mich eines Besseren belehren lassen. Irgendwer hat vergessen, diese
miese kleine Brücke einzuzeichnen oder zu erwähnen, die die Mildenitz
überquert, aber leider nicht wirklich hoch genug ist, um mal eben darunter
durch zu paddeln. Gérard kannte da keine Angst, machte sich klein und
war schnell auf der anderen Seite. Zum Glück holte Björn ihm anschließend
das bei der Aktion verloren gegangene Paddel zurück. Der lange Hendrik
ackerte sich unter der Brücke durch, während ich immer noch unentschlossen
zurück blieb. Tristan wollte sich den Stress nicht antun und ging an
Land, musste das Boot umsetzen. Der Kanadier passte auf keinen Fall da durch.
Nur was sollte ich machen? Eigentlich war mir das Aussteigen auch nicht recht.
Das hätte ja noch mehr Arbeit bedeutet. Also musste ich die Schwimmweste
ausziehen und ganz weit nach vorne ins Boot rutschen. Irgendwie kam ich dann
wohlbehalten auf der anderen Seite an. Vom Rostdreck der Brücke fand
ich abends noch einiges im Haar wieder.
Irgendwie machte die Mildenitz auf mich nicht den Eindruck eines kleinen idyllischen
Gewässers, sondern eher den einer Müllkippe. Ich weiß bis
heute nicht, wozu das alte rostige Fass mit fraglichem Inhalt direkt hinter
der Brücke im Wasser steht. Außerdem sahen die vielen großen,
mit dem Bauch nach oben schwimmenden Fische nicht wirklich gesund aus.
Der Dobbertiner See gefällt mir gut. Der Weg in Richtung Dobbertiner
Mühle machte sehr viel Spaß. Man hat einen schönen Blick auf
das alte Kloster, welches um 1220 auf einer Landzunge am Dobbertiner See errichtet
wurde. Wir waren erst etwas unentschlossen, wo wir nun die Tour beenden wollten
und entschieden uns dann für die Dobbertiner Mühle.
Dort konnten wir sehr gut aussteigen und uns bei einem frisch gekochten Kaffee
aufwärmen. Wir erfuhren außerdem bei einem Plausch mit den sehr
aufgeschlossenen Leuten in der Kanu-Station, dass sich die Mildenitz hinter
der Mühle in einem wesentlich besseren Zustand befinden soll als das
von uns befahrene Stück. Leider hatten wir an dem Wochenende keine Gelegenheit
mehr, uns persönlich davon zu überzeugen.
Volker holte Jörg ab, damit dieser den Bus samt Hänger nach Dobbertin
holen konnte. Die Boote wurden verladen und bis wir zurück waren und
die Klamotten versorgt hatten, war es wieder sehr spät.
Inzwischen machten wir auch reichlich Gebrauch von der kleinen Hütte
auf dem Grundstück. Bei der Kälte und Nässe war es einfach
zu verlockend, sich gelegentlich am heißen Ofen aufzuwärmen. Außerdem
konnten wir unsere Sachen dort besser trocknen und auf dem Ofen leckeres Brot
aufbacken.
Mittlerweile hatte ich auch das Jammern über abgebrochene Fingernägel
sowie über meine wie ein Vogelnest anmutende Frisur aufgegeben. Es hatte
ja eh keiner vernommen.
Auch am Freitag wurde es spät und der Tag klang nach ein paar zwischenmenschlichen
Turbulenzen ruhig aus. Björn erfreute uns auch an diesem Abend mit seinem
Gitarrespiel und Gesang. Als die Kids im Bett lagen, gingen wir wie schon
am Vorabend auf einen Klönschnack zu unseren Gastgebern.
Ich überstand eine weitere kalte Nacht in meinem Zelt. Erst der Kaffee
wärmte mich halbwegs auf. Inzwischen wurde mein Vogelnest auf dem Kopf
durch ein altes Schuhband gebändigt, da ich die Zopfgummis vergessen
hatte. Auf einen Blick in den Spiegel verzichtete ich zu diesem Zeitpunkt
vorsorglich.
Ich hatte am Samstag keine Hemmungen mehr, im Gammel-Look durch den Supermarkt
zu gehen. Ich baute mich auf mit Sprüchen wie: „Schließlich
sind wir zum Paddeln unterwegs und nicht auf Modenschau. Und außerdem
kennt mich hier zum Glück niemand!“ Doch das Schuhband im Haar
überforderte mich dann doch und wurde gegen ein neues Zopfgummi ausgetauscht.
Oh, es soll niemals jemand behaupten, ich sei oberflächlich und nicht
in der Lage, mich über Kleinigkeiten zu freuen! *grins!
Nachmittags taten wir das, wozu wir unterwegs waren... Paddeln. Diesmal ging
es nach Woserin. Dort ließen wir die Boote ins Wasser. Diesmal hatte
ich endlich auch Gelegenheit, auf dem Wasser Fotos zu machen, denn ich fuhr
zusammen mit Jörg und Tristan im Kanadier und nicht in einem dieser mir
immer noch Respekt einflößenden und viel zu wackeligen Kajaks.
Unser Ziel war der Garder See. Doch leider bekam ich den an diesem Tag nicht
zu Gesicht, da ich unterwegs sozusagen verloren ging. Die kleine Verbindung
zum Garder See war zu flach für den Kanadier, der deshalb gezogen werden
musste. Ich stieg aus und Björn meinte, ich solle ein paar hundert Meter
weiter wieder einsteigen. Doch leider fand ich den Weg zurück zum Wasser
nicht mehr. Irgendwie wollte ich mich nicht einfach querbeet durchs Gehölz
kämpfen. Außerdem hatte kurz zuvor ein Anwohner rumgepöbelt,
weil jemand von uns über sein mit Brennnesseln verseuchtes Privatanwesen
gestapft war. Ich hörte die Truppe immer wieder nach mir rufen, doch
was sollte ich machen? Mir blieb nichts anderes übrig, als an den Platz
wieder zurück zu gehen, wo man mich ausgesetzt hatte. Nur ein Schwarm
Mücken leistete mir Gesellschaft, während ich wartete.
Die anderen Fahrt-Teilnehmer konnten immerhin berichten, dass der Garder See
sehr schön ist. Freut mich für euch, Leute! Beim nächsten Mal
lasse ich mich nicht aussetzen. Ist das klar??
Auf dem Rückweg nach Woserin paddelten Jörg und ich, während
Tristan sich von den Strapazen erholte. Leider versäumte ich, ein Foto
von ihm zu machen, denn der Anblick war echt klasse. Er lag auf ein paar Sachen,
hatte die Hände überm Bauch gefaltet, das Kinn auf der Brust und
den Hut tief ins Gesicht gezogen. Echt cool! ? Er hatte aber wohl auch eine
ganze Strecke lang den Kanadier gezogen und vorher schon auf dem Hinweg mit
mir zusammen gepaddelt, während Jörg in der Mitte saß.
Ich muss inzwischen einen sehr verwahrlosten und verzweifelten Eindruck auf
Volker gemacht haben, denn er meinte, ich könne gern mal im Haus die
Dusche benutzen. Wir hatten uns das die ganze Zeit verkniffen, weil wir wirklich
nicht übermäßig die Gastfreundschaft dieser lieben Menschen
strapazieren wollten.
Doch das Angebot konnte ich in dem Moment einfach nicht ausschlagen. Volker...
Monika... danke für euer Verständnis! ;-)
Der Samstag Abend wurde für die Kinder nicht ganz so spät wie die
voran gegangenen Abende. Aber wir Großen saßen noch eine ganze
Weile zusammen. Dabei wurde darüber diskutiert, wann wir am nächsten
Tag aufbrechen sollten bzw. wollten. Björn erklärte, dass wir es
garantiert nicht bis mittags um 12 Uhr schaffen würden. Doch da hatte
er die Rechnung nicht mit uns und unserem Eifer gemacht. Genau eine Minute
vor 12 fuhren wir bei Volker und Monika vom Hof und hatten somit noch Zeit,
auf dem Rückweg einen kurzen Abstecher nach Alt-Schwerin in das Agrarhistorische
Museum machen.
Die Rückfahrt gestaltete sich insgesamt recht entspannt. Der Wagen wurde
wieder vollgetankt auf den Hof gefahren, die Boote abgeladen und gesäubert.
Zum Glück kam meine Große mit dem Wagen, um Gérard und mich
abzuholen. So brauchten wir den ganzen Krempel nicht mit Bus und Bahn wieder
nach Hause schleppen.
Ja, das Wochenende ist gut gelungen, dank der tollen Betreuung durch Björn
und Jörg, die sehr viel Geduld aufbringen und vieles erklären mussten.
Die meiste Arbeit hing an den beiden, da bis auf Charlotte keiner von uns
ganz ohne Anleitung anpacken konnte. Vielen Dank, ihr zwei!
Und auch bei Hendrik möchte ich mich an dieser Stelle bedanken... weil
er sich selbstlos wie ein Gentleman benahm und auf Björns Wolldecke verzichtete,
mit der ich dann die letzte Nacht endlich gut und ohne Frostbeulen überstehen
konnte.
Sabine Wieghardt
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Letzte Änderung
am 01.07.2005 13:10
durch das Online-Team des ACC.
Heute: 08.09.2010 13:39 Datei: himmelfahrt-woosten-2005-bericht.shtml
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